„Projekt Talentum“ – Honig versetzt Berge…

Unsere Partnergemeinde in Ungarn stemmt sich mit ungewöhnlichen Schritten gegen Elend und Hoffnungslosigkeit. Wir unterstützen das Projekt der „Talentum“ Schule. Deshalb kann man bei Honig aus Ungarn gegen eine Spende erhalten. Das Geld geht dann in die Talentum-Förderung.

Das Projekt:

„More than honey“ (Talentum Projekt – Reformierte Kirchengemeinde Gönscruzka / Ungarn)

Der Honig ist das Ergebnis der fleißigen Arbeit zigtausender Bienen. In einer der am meisten abgelegenen Gegenden Nordostungarns haben die Bienen diesen Nektar gesammelt. Es stört sie gar nicht, dass sie in der am meisten unentwickelten Region des Landes leben. Für die Honigherstellung ist es sogar von Vorteil, dass es dort keine nennenswerte Industrie gibt und keine großindustrielle agrarwirtschaftliche Produktion stattfindet. So kann garantiert gesunder und in jeder Hinsicht ausgezeichneter Bio-Honig hergestellt werden. Für die meisten Einwohner aber ist diese Situation bedauernswert. Die meisten ziehen weg. Diejenigen, die bleiben, sind mit tiefen Nöten vertraut.

Der Honig bringt alle Altersgruppen der ev.-ref. Kirchengemeinde zusammen (67 Mitglieder). Jung und Alt arbeiten in einer kirchlichen „Manufaktur“ zusammen. Die Jugendlichen lernen die Arbeit lieben und schätzen und die älteren Menschen werden in ihrem Selbstwert gestärkt: ihr Wissen und Tun ist gefragt. Die Gemeindeältesten tragen mit ihrer Arbeit der Erhaltung der Gemeinde bei. Sie geben das, was es sehr wenig gibt, nämlich ihre Zeit. Die alten Witwen brauchen keine organisierte soziale Hilfe, da sie regelmäßig an einer Gemeinschaft teilhaben, ob beim Abfüllen und Verpacken vom Honig oder beim Reinigen von Nuss und Kürbiskern. Ihre oft so einsamen Tage gewinnen einen neuen Sinn und Qualität.

Der Honig hat einen besonderen Wert. Er wird durch eine Gemeinschaft hergestellt, die eine Schule für Talentförderung gegründet hat. Die Schule ist der Schlüssel zur Zukunft. Sie gibt den Roma- und Nicht-Roma-Kindern, die aus zerbrochenen Familien und tiefer Armut kommen, eine Chance auf gemeinsames Spielen, geistiges uns seelisches Wachstum, damit sie in der Lage sind, als Erwachsene die Probleme der Zukunft gemeinsam zu lösen. Die kleinen Klassen und die speziellen künstlerischen und fremdsprachlichen Programme garantieren ein hohes Niveau.

Wer die Arbeit einmal im Film sehen möchte – hier ist ein Link: http://reformatus.hu/kirchentag2013/?page_id=68

Sie erhalten den Honig bei uns in der Gemeinde (Ungarn-Team) jeweils sonntags nach dem Gottesdienst.

Ansprechpartner: Dirk Gellesch

Und es gibt noch mehr …

„Projekt 40.000“

Für die nächsten Klassenräume braucht unsere Partnergemeinde 40.000 EUR. Wir wollen dies Geld möglichst schnell zusammenbringen. Sprechen Sie uns an …

Ansprechpartner: Dirk Gellesch

Pressestimme

Christen kämpfen niemals auf ganz verlorenem Posten. Denn mit Gottvertrauen lassen sich Welten bewegen. Eine Geschichte gemeindlicher Kreativität inmitten von Hoffnungslosigkeit im nordöstlichen Ungarn.

Das Wetter ist an diesem trüben Morgen wie bestellt für die Gegend. Trostlos.

Der Himmel grau in grau. Ein kalter Wind fegt vom Zemplén-Gebirge in die Ebene. Nieselregen und kräftige Schauer.

In den Schlaglöchern abseits der Hauptstraßen stehen schmutzige Pfützen. Die wenigen Alten, die man in den Dörfern jenseits der Provinzhauptstadt Miskolc sieht, dort, wo es bald von Ungarn hinüber in die Slowakei geht, halten sich nicht lange draußen auf.

Der Regen ist Kulisse für langgezogene Straßendörfer von bedrückender Tristesse: geschlossene Kneipen mit vergitterten Eingangstüren. Zerbrochene Fensterscheiben. Bretter über Schlammlöchern. Die rote Farbe eines einzigen frisch gestrichenen Hauses ist wie ein unwirklicher Hoffnungsschimmer.

Der Wohlstand Europas, der sich in Ungarns Großstädten in schmucken Shopping-Centern und prachtvoll sanierten Jugendstilpalästen zeigt, ist hier niemals angekommen. Im Gegenteil: Ungarns Agrarwirtschaft, 1000 Jahre lang die wirtschaftliche Basis des Landes, hat den Systemwechsel zum Diktat des Marktes nicht überlebt. In Ungarn wird Milch aus Österreich getrunken.

Geförderte Ansiedlung von Industrie und Gewerbe gibt es nicht. Zum nächsten Kinderarzt sind es 70 Kilometer. Junge Leute ziehen in die Städte, es bleiben die Alten und die Familien der Sinti und Roma. Das Elend in deren Wohnghettos ist noch so viel größer, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Wäsche hängt im strömenden Regen an der Leine, verwahrloste Kinder spielen in bewohnten Ruinen, die möglicherweise irgendwann einmal Häuser waren.

Inmitten all dieser Hoffnungslosigkeit schließt Pfarrer Levente Sohajda auf dem Gemeindepfarrhof die Tür zu einem frisch sanierten Wirtschaftsraum auf. Vorne stehen blank geputzte Holztische, an denen wochentags Glaubenskurse stattfinden, hinten große, kunstvoll illuminierte Regale mit versandfertigen Lebensmitteln: Honig vor allem, aber auch präparierte Walnüsse, Kürbiskerne, Honigkuchen.

Der Raum ist eine Imkerei, die der reformierten Kirchengemeinde Göncruszka gehört. Von vormals rund 350 Gemeindegliedern sind noch 67 übrig, außer der Pfarrfamilie fast nur Alte. 45 von ihnen machen in der Imkerei mit, bis hin zur 88-jährigen alleinlebenden Uroma. »Sie schält die Walnüsse, und es bedeutet ihr wahnsinnig viel. Denn dadurch ist sie ein Teil der Hoffnung für dieses Dorf«, sagt Sohajda.

In kürzester Zeit hat der Pfarrer, beseelt von reformiertem Sendungsbewusstsein und mit unaufgeregtem Elan ausgestattet, Berge versetzt. Die Imkerei arbeitet unter dem Dach der eigens gegründeten »GR Protest Nonprofit GmbH«. Die Produkte, als besondere Spezialität kaltgeschleuderter Akazienhonig, werden in mehrere Länder exportiert.

Mit den Einnahmen sponsert die Gemeinde die im vergangenen Jahr unter reformierter Regie wieder eröffnete Dorfschule »Talentum« und knüpft damit an eine jahrhundertealte Tradition ihrer Kirche an: Bis zum Zweiten Weltkrieg war die reformierte Welt in Ungarn von über 1000 Schulen geprägt. Während des Kommunismus war es noch eine, heute sind es wieder rund 140.

In Göncruzska werden Kinder nach moderner deutscher Pädagogik […] unterrichtet. Zu jedem Jahrgang gehören 15 Schüler: fünf aus ungarischen Familien, fünf Waisen- oder Pflegekinder und fünf aus Roma-Familien. Dreimal am Tag gibt es gemeinsame Mahlzeiten. Nicht auf die Mahlzeit, sondern auf die Gemeinsamkeit kommt es an, sagt der Pfarrer.

[…]

Dass Glaube und Leben dagegen in der reformierten Theologie besonders zusammengehören, hat Pfarrer Levente in Göncruzska im vergangenen Jahr erlebt, allerdings unfreiwillig. Bei minus 28 Grad am Sonntagmorgen zog die kleine Gemeinde zum Gottesdienst von der Kirche ins Imkerhaus um. Noch bemerkenswerter ist an der Geschichte allerdings, dass sie es in der Vorwoche bei minus 19 Grad noch in der Kirche aushielt. »Das ist nichts Besonderes«, versichert Levente: »Wir sind es hier gewohnt, Widrigkeiten zu ertragen.«

(aus: Sonntagsblatt 07/2013)